Die letzte Etappe unserer Reise wird ernst. Von der guten Versorgung und persönlichen Atmosphäre im Hostel geht es in unser Luxus-Apartment (dazu später mehr) in Barra da Tijuca, fußläufig zum Olympischen Park und eine knappe Autostunde von der Innenstadt entfernt.

Während Hilde täglich ihrer Arbeit nachgeht, habe ich noch einige Tage frei. Leider bietet Barra überhaupt keine Attraktionen und wird dominiert von großen Wohnkomplexen, Shoppingcentern und Stränden, die allerdings ebenfalls etwa eine Busstunde entfernt liegen. So beschränke ich mich auf meine hausfraulichen (in diesem Fall natürlich hausmännlichen) Pflichten. Mein erster Einkauf in einem brasilianischen Supermarkt dauert sehr lange. Ich bin richtig froh, mit nur vier Plastiktüten wieder heraus zu kommen, trotz mitgebrachten Rucksacks.

wohnzimmer

Stillleben im Wohnzimmer

Die persönliche Betreuung durch unseren Vermieter ist gut, ebenso das Apartment, jedoch für meine Begriffe ein wenig schmuddelig. Abflüsse verstopfen, die Klimaanlage tickt und so verbringe ich einige Nächte auf der Couch. Als wir das Apartment betreten, läuft ein Fußballspiel Deutschland gegen Norwegen (Zwischenstand 1:0). Es gibt zwei riesige Flachbildfernseher. Als ich unserem Vermieter mehrfach erkläre, dass wir die Klimaanlage nicht nutzen werden, wirkt er ungläubig.

blick vom balkon

dämmerung

He fählt nur vum Balkon die Aussicht op d’r Dom

Die VRT-Schnellbusse fahren direkt vor unserer Haustür. Wenn die anderen Menschen verstanden haben, dass sie die Rampe ausklappen sollen, geht der Einstieg problemlos. Die Fahrten sind rasant. Da fühlt sich ein gut gefüllter Bus deutlich sicherer an als ein leerer – kein Platz zum Umkippen. Eine Fahrt im nachmittäglichen Berufsverkehr wird zur Belastungsprobe. Teilweise bilden sich endlos lange Schlagen. Während ich Zuhause bei solch einem Gedränge manche Bahn vorbeifahren lassen und auf die nächste warte, treten die Leute hier selbstverständlich zur Seite. Als ich befürchte, gleich würden Menschen zerquetscht, wird noch gelacht. Einzig der Fahrplan erschließt sich Externen nur schwer. Also einfach immer durchfragen.

hochhaus

Olympisches Dorf, bald Luxusdorf

Eine Busreise führt mich an der Stelle vorbei, wo früher die Villa Autódromo lag. Ein weiteres trauriges Kapitel in der Geschichte der Spiele. Die Bewohner/innen wurden mit teils brutalen Mitteln aus ihren Häusern vertrieben, um Platz für die Spielstäten zu schaffen. Anschließend werden aus vielen Stätten Luxuswohnungen, wie auch wir eine bewohnen.

Ein Abend in Barra: Ich gebe einem Arbeiter ein Bier aus, dann noch eins, soll als Deutsche sein Kind unterstützen und für seine Windeln bezahlen und werde dabei von zwei Schotten beschützt – auch wenn kein Schutz nötig ist, ist es ein vergnüglicher Abend.

bert mit schottenhut