Seit einigen Jahren übe ich Achtsamkeit.

Im Moment zu sein.

Dies ist schwieriger als man sich vielleicht vorstellen kann. In meinem Kopf immer mit anderen Sachen beschäftigt bin.

 

Wie der Tag heute war, was ich noch einkaufen muss, welche E-Mails ich noch schreiben muss.

Eine Sache zu machen fällt mir schwer, ich mache meistens mehrere Sachen gleichzeitig. Vielleicht um mich ein bisschen abzulenken von allem was in meinem Kopf ist?

Ich schreibe Whats App Nachrichen während ich Frühstücke.

Ich gucke eine Serie während ich Abend esse.

Ich höre Musik während ich Gemüse schneide.

Ich laufe in meiner Wohnung rum während ich meine Zähne putze.

Das sind nur einige Beispiele, bei denen ich Dinge immer parallel mache. Es ist nicht einfach für mich, nur eine Sache zu einer Zeit zu machen und dann auch voll anwesend zu sein, bei dieser einen Sache.

Wenn man sich mehr mit Achtsamkeit beschäftigt und auch Meditation übt (wozu auch noch ein Beitrag geplant ist), wird man irgendwann auf Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR) stoßen. Dieses 8-wöchige Training wurde in den 70er Jahren von Jon Kabat-Zinn, einen amerikanischen Biologen entwickelt. Er arbeitete in einer Klinik, in der viele Patienten für Stress behandelt wurden. Da er selber viel Erfahrung mit buddistischer Meditation hatte, wo der Aspekt der Achtsamkeit für den Moment sehr wichtig ist, überlegte er sich ein Training um die positiven Effekte, die er durch sein Achtsamkeits und Meditationstraining erfahren hat, auch für seine Patienten zu nutzen.

Eine klassische Übung aus dem MBSR Training nach Jon Kabat-Zinn ist die Übung “Achtsam Zähneputzen”.

Die Aufgabe ist dann, voll kommen in dem Moment zu sein. Jetzt und hier beim Zähne putzen. Wenn die Gedanken abschweifen, zu dem was noch zu tun ist, bringe deine Gedanken wieder zurück zu dir und deiner Hand und den Kreisbewegungen mit der Zahnbürste und deinen Zähnen.

Es gibt Tage da schaffe ich das. Dann stehe ich vor dem Spiegel, putze meine Zähne und bleibe dabei in dem Moment. Wenn ein Gedanke kommt, kann ich mich einfach wieder zurück in den Augenblick zurück holen.

An anderen Tagen ist das gar nicht so einfach. Da kommt der nächste Gedanke – wusch – der mich vollkommen mitreißt. Wo ich nicht mal bemerke, dass ich weg bin aus der Situation und in meiner Gedankenwelt gelandet bin.

Die Aufgabe ist dann, wenn man bemerkt, dass man aus dem Moment weg ist, sich wieder zurück holen, aus den Gedanken raus und sich wieder auf seine Aufgabe, das Zähne putzen zu fokussieren.  

Nur wenn ich das regelmäßig übe, wird es mir auch besser gelingen, in diesen Moment anwesend zu sein.

Dies kann man auch mit jeder anderen alltäglichen Handlung machen, die man jeden Tag ausführt und die eine Art Routine ist, wo man über die Handlung gar nicht mehr nachdenken muss. Achtsam seine Socken anziehen, achtsam Spülen, achtsam putzen, achtsam Autofahren. Alles wo man sonst immer eher seinen Gedanken nachhängt und nicht so ganz im hier und jetzt ist.

Wenn man übt, seine Gedanken immer wieder in den Moment zurück zu holen wird es irgendwann einfacher.

Das Ziel ist nicht, nichts mehr zu denken, sondern sich öfter davon bewusst zu werden, wie viele Gedanken man hinterher hängt.